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Das Münstermann’sche Haus in Hallstedt

einzigartiges kulturgeschichtliches Baudenkmal
aus dem Jahre 1593

Wer kennt schon das kleine Dorf Hallstedt zwischen Bassum und Neubruchhausen mit seinen ca. 170 Einwohnern und dann womöglich noch das in der Niederung der Hallstedter Beeke liegende alte und schon sehr abgängige Fachwerkbauernhaus?

Bekannt geworden und beschrieben worden ist dieses Haus bereits in einem Zeitungsartikel der Syker Zeitung von 1938, in dem auf die Erhaltenswürdigkeit und auf die baugeschichtliche Besonderheit eingegangen worden ist. Obwohl auch während der letzten zwei bis drei Jahrzehnte ist dieses Haus für viele interessierte Menschen und auch für die Denkmalbehörde nie in Vergessenheit geraten ist, wiederholt beschrieben, fotografiert und veröffentlicht wurde, ist es erst seit gut einem Jahr durch mehrere Zeitungsberichte im Bassumer und Syker Raum wieder erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt und für das breite Publikum bekannt geworden.

Im Jahr 2001 wurde das Dorf Hallstedt in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen.

Seit 2002 besteht der „Arbeitskreis Dorferneuerung Hallstedt“. Er beschäftigt sich intensiv in Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro und der Stadt Bassum mit den unterschiedlichsten Themen der Dorferneuerung. Neben vielen anderen Maßnahmen im Dorf wurde entschieden, das unter Denkmalschutz stehende „Münstermann’sche Haus“ an erster Stelle der geplanten Maßnahmen zu setzen.

2004 wurde der Förderrahmen von Seiten der damaligen Bezirksregierung Hannover für die Restaurierung des Hauses festgelegt. Die für diese öffentliche Maßnahme fünfzigprozentige Förderung ist daher bei entsprechender Gegenfinanzierung durch den Antragsteller, in diesem Fall die Stadt Bassum, gesichert.

Im Sommer 2005 wurde der gemeinnützige Verein „HALLSTEDT – HIER und HEUTE e.V. gegründet, der sich in erster Linie den Erhalt, die Pflege und die Nutzung des Hauses als Aufgabe vorgenommen hat.

Ein vom Verein ausgearbeitetes detailliertes Nutzungskonzept liegt vor, erste Kaufverhandlungen mit dem jetzigen Eigentümer wurden geführt und mögliche weitere Fördermöglichkeiten geprüft, so dass der Verein hofft, in den Jahren 2006 und 2007 die ersten Schritte zur Verwirklichung dieses Projektes in Angriff nehmen zu können.





Nun zur Baugeschichte des Hauses:

Der Inschrift auf dem großen Türbalken am Wirtschaftsgiebel „Wer Gott verdraut, hat wohl gebaut, im Himmel und auf Erden“ ist zu entnehmen, dass das Haus bzw. der Giebel 1802 erbaut wurde. Das Kernhaus selbst wurde 1593 von einem Wisloh und seinem Zuspann Schaffer erbaut.

Seit dem letzten Viertel des 18. Jh., ca. 1780, sind die Münstermann’s auf dem Hof.

Ca. 1870 verkauften die Münstermanns das Haus an den Bauern D. Köhrmann in Hallstedt, der es dann 1913 an den Bauern Johann Döhrmann weiter verkaufte. Anschließend wurde es verpachtet an eine Familie Brüning, die das Haus noch bis 1957 bewohnte und den Hof bewirtschaftete. Bis in die sechziger Jahre hinein wurde es dann noch weiter vermietet. Anschließend und bis zum heutigen Zeitpunkt wird es vom jetzigen Eigentümer als Unterstellmöglichkeit landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen genutzt.

Eine eingehende dendochronologische Untersuchung der alten Eichenbalken im Kernbereich des Hauses, durchgeführt von Herrn Riepshoff, brachte nun eine noch viel ältere Baugeschichte zu Tage als angenommen und wie es die alte Inschrift mit der Jahreszahl vermuten lässt.



1593: Erbauung des Hauses

Der noch im Originalzustand erhaltene Kernbereich stammt aus dem Jahre 1593 (Baujahr des Hauses).

Das älteste Bauteil, ein Deckenbalken (der 5. von vorne), stammt von 1468 und wurde somit vor 535 Jahren zum ersten Mal verbaut. Wahrscheinlich wurde er entnommen und wiederverwertet von einem damals durchaus noch üblichen Pfostenhaus, welches abgängig war. Doch dies sind leider nur Vermutungen. In diesem Zustand hatte das Haus, nicht nur wie jetzt noch vorhanden, seitliche Kübbungen (nicht tragende, nur vorgestellte Wände), sondern auch die beiden schräg eingesetzten Giebel waren nur vorgestellt. Die dafür in den Ständern benutzten schrägen Zapflöcher sind noch heute zu sehen. Vorne am Wirtschaftsgiebel war das Tor nur eingeschnitten. Dass dieser Kernbereich aus der Zeit vor 1600 stammt, ist u.a. durch die geschwungene Form der noch weitgehend vorhandenen Kopfbänder zu erkennen. Sogar ein Teil der hinteren rechten Seitenwand ist noch original aus der Zeit des Erbauungsjahres.



1692: Erster Umbau

1692 erfuhr das Haus die erste größere Umbaumaßnahme. Das vorher nur in der Kübbung vorhandene und wahrscheinlich zu klein gewordene Kammerfach, wurde weggenommen und neu gebaut. Damit einhergehend ist eine für die damalige Zeit sehr repräsentative rückwärtige Giebelfront entstanden, die ca. einen halben Meter vorgebaut wurde. Über dem neuen Kammerfach ist ein Schüttboden für Getreide gebaut worden mit der noch ursprünglichen Befensterung am Giebel aus Eichenbohlen. Auch die Herdwand wurde im Zuge dieser Umbaumaßnahme neu errichtet und stammt ebenfalls aus dem Jahr 1692.



1802: Zweiter Umbau

Zu der Zeit wurde der Vordergiebel (Vorderkübbung) weggenommen und durch einen neuen Giebel mit dem Vorschauer, wie er jetzt zu sehen ist, ersetzt. Dieser neue Giebel ist für die damalige Zeit eher unüblich und sehr einfach ausgeführt worden. Mann sieht es an dem Vollwalm, welcher bis zur Toroberkante reicht. Die Traufwände stammen zwar aus allen Bauperioden des Hauses, zeigen sich aber dennoch eher in einem einheitlichen Charakter. Im Haus selbst sind noch einige Zeichen und Gebrauchspuren zu sehen und sicherlich auch noch weitere zu entdecken, die Zeugen sind vom Leben und Arbeiten der früheren Bewohner. So sieht man z.B. noch in zwei Ständern hinten links vor der Lucht untereinander gereihte Löcher, die einst genutzt wurden zum Herstellen einer Webkette (Scherrahmen). Vor dem Hintergrund eines ständig reduzierten Bestandes an alten Bauernhäusern, nicht nur im Landkreis Diepholz, ist der bisherige Erhalt des „Münstermann´schen Hauses“ als ein kleines Wunder zu bezeichnen und daher mehr als nur erhaltenwert. Es braucht interessierte und engagierte Menschen aus den verschiedensten Bereichen, die Lust haben mitzuarbeiten an der zukünftigen Ausgestaltung dieses Hauses in baulicher als auch inhaltlicher Art und dort für sich eine eventuell befriedigende Aufgabe sehen.



Fritz Kohnert
1. Vorsitzender „Arbeitskreis Dorferneurung Hallstedt“ 1. Vorsitzender „HALLSTEDT – HIER und HEUTE e.V.“





Kontaktadresse:
Fritz Kohnert
Hallstedt 22, 27211 Bassum,
Tel.: 04248-297, Fax: 04248-902499
fkohnert@t-online.de



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Fotos: B. Kunze

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