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Ein Bauernhaus von 1845/50 in Uenzen…

mit "moderner" Raumstruktur

Jörg Hollmann, IGB, Syke
In der Uenzer Dorfchronik wird die Hofstelle 1658 als Schule erwähnt. Von ca. 1689 bis ca. 1880 war die Stelle im Besitz der Familie Cordes und wurde zunächst noch als alte Schule bezeichnet. Der Erbauer des Wohnhauses von 1845/50 Dietrich Heinrich Cordes war von 1843 bis 1861 Bürgermeister von Uenzen, so daß einige bauliche Besonderheiten wohl durch den etwas offizielleren Charakter des Gebäudes zu erklären sein könnten. Wir haben es von den letzten Besitzern der Familie Maatz gekauft.
Ohne Eile –wir haben uns einen Zeitraum von ungefähr 10 Jahren für die Renovierung gesetzt- fingen wir an die wenigen nachträglichen Einbauten vorsichtig zu entfernen. Hierbei handelte es sich vorwiegend um Wand und Deckenverkleidungen aus neuerer Zeit.
Im mittleren Raum des Kammerfaches kam dabei eine total versottete schwarze Küche zum Vorschein. Zusätzlich haben 2 Hinterladeröfen in den beiden angrenzenden Räumen ihren Rauch in eben diese Küche abgegeben. Die Öffnungen zum befeuern der Öfen und die Rauchöffnungen sind sehr schön in den Wänden erhalten.
Die einzige größere Umbaumaßnahme hat wohl in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stattgefunden. Die Diele wurde durch eine Scherwand vom Wohnbereich getrennt. Außerdem bekam jener Bereich eine eigene Haustür auf der zur Straße gewandten Seite des Hauses.
Das Wohnhaus wurde in 2 Etappen errichtet. Der Wohnteil 1845 und der Dielenteil 1850.
Da die beiden erhaltenen Nebengebäude – eine Scheune von 1722 und ein Backhaus – deutlich älter sind ist davon auszugehen, daß das Wohnhaus an der Stelle eines Vorgängerbaus – eben der Schule – errichtet wurde. 1845 wurde dann zunächst der Wohnteil abgerissen und erneuert. 1850 dann der Dielenteil, wobei der Zimmermann – Meister Stellmann, von dem in Uenzen mehrere Gebäude erhalten sind- unterschiedlich konstruiert hat. Beim Dielenteil stehen die Dachsparren auf einer Sparrenschwelle, was durchaus der Zeit entsprach. Beim Wohnteil bediente er sich dem veralteten gebundenen System, bei dem ein Sparrenpaar immer auf einem Deckenbalken steht. Vergleicht man andere von Meister Stellmann errichtetet Gebäude miteinander gibt es markante Gemeinsamkeiten wie beispielsweise keine durchgehende Schwelle. Sämtliche Ständer neben Türen gehen durch bis auf das Fundament und die Schwelle ist dort seitlich in die Ständer eingezapft. Man mußte also nicht mehr über eine Schwelle steigen um in das Gebäude zu gelangen. Auch die markante leicht gerundete Form des Torbalkens ohne Kopfbänder ist an sämtlichen Gebäuden zu finden.
Im Gegensatz zu älteren Fachwerkgebäuden, welche ja ein durchgehendes Flett mit den seitlich anschließenden Luchten aufweisen hat unser Haus dort schon 2 Räume (offiziellerer Charakter). Zwei sehr kurze und hohe Luchten schließen sich dann in Richtung Diele an die beiden Räume an, wo 2 Türen jeweils nach draußen führen. Man merkt, daß es sich um einen relativ späten Fachwerkbau handelt und traditionelle Eigenarten sich langsam zu verändern begannen.
Unsere Aktivitäten bestanden bislang vor allem aus dem Entfernen von Betonfußböden, Wand und Deckenverkleidungen und Farbschichten um den alten Lehmputz freizulegen welcher repariert oder erneuert werden soll. Inzwischen hat der Zimmermann damit begonnen das Außenfachwerk zu reparieren. Die üblichen Arbeiten. Schwellen erneuern, Ständer anlängen und kleinere Reparaturen. Das aus mehreren Abbrüchen gesammelte alte Eichenholz kommt uns hierbei zugute. Bis auf die Schwellen kann alles mit altem Eichenholz repariert werden.
Etwas Kopfzerbrechen hat uns eine, durchaus übliche und häufige Veränderung der Konstruktion bereitet. Dem Umsetzten der Dielenständer. Es ist dadurch ein Deckenbalkenüberstand von über zwei Metern entstanden. An den Balkenenden zwar durch eine Art Unterzug abgefangen, haben sie sich im laufe der Jahre dennoch stark abgesenkt, was dazu führte, daß das Dach eine Riesendelle bekam und sich die Außenwand mangels Anbindung an die Dielenständer ziemlich schräg nach außen gestellt hat. Eine Lösung mußte her. Viele Leute wurden befragt, viele Lösungsvorschläge. Eine Möglichkeit war natürlich die Dielenständer zurückzuversetzen. Was bedeutet hätte, daß die Kuhstallsituation aus den 50er oder 60er Jahren mit den originellen Einzelanbindevorrichtungen, welche wir unbedingt erhalten wollen, zerstört worden wäre. Also irgendwie abfangen. Mit dem Zimmermann haben wir überlegt den alten ungenügenden Unterzug durch Ständer zu unterstützen. Die meisten davon verschwinden in Wänden. Lediglich Einer steht mitten im Kuhstall. Da die Maßnahme lediglich der Sicherung der vorhandenen Situation dienen sollte, hatten wir uns mit der Delle im Dach und der schrägen Außenwand abgefunden. Allerdings beim Einsetzen der zusätzlichen Ständer drehte der Zimmermann den Unterzug mitsamt der Deckenbalken so cirka 10 bis 15 cm hoch, wodurch Dach und Wand wieder gerade wurden. Und das mit Dacheindeckung und ausgemauerten Gefachen. Das ist wohl nur bei Fachwerk möglich.
Bereits während der Kaufüberlegungen und bei den ersten Besichtigungen entstanden Pläne für Nutzung, Raumaufteilung Veränderungen und Dingen, welche erhalten werden sollen. Durch die vorhandene Situation und die Baudenkmalsituation ist ein gewisser Rahmen gegeben, was manche Planung aus unserer Sicht eher vereinfacht. Sehr wichtig ist uns die Rekonstruktion des Vorschauers, welches zur Erbauungszeit vorhanden war. Wenn es möglich ist sollen die Fenster erhalten und restauriert werden. Die Scherwand haben wir bereits abgebaut, wodurch im Moment der Raumeindruck aus der Erbauungszeit zu sehen ist. Sie soll etwas weiter in Richtung Grootdör wieder aufgebaut werden um etwas mehr Wohnraum zu erhalten und die kleinen Luchten und damit auch die Seitentüren mit einzubeziehen. Die Diele soll als Diele erhalten bleiben. Der Kopfboden, welcher durch den mittleren Kammefachraum zu erreichen ist soll nicht als Wohnraum ausgebaut werden. Das einzige was uns wirklich Kopfzerbrechen bereitet ist die Traufwand zur Straße. Die ursrpüngliche Seitentür soll als Haustür reaktiviert werden. Gleichzeitig aber soll der Eingang aus den 20er jahren erhalten bleiben. Licht soll ins Haus, so daß die Fenstersituation verändert werden soll. Über diese Wand haben wir schon mit vielen Leuten diskutiert. Aber das ist ja das schöne an der IGB – der Erfahrungsaustausch und die Diskussionen mit anderen Hausbesitzern und Renovierern, welche wir nicht mehr missen möchten.

Querschnitt durch die Diele und darunter die Herdwand

In den Zeichnungen lassen sich gut die „modernen” Wohnformen aus der Zeit um 1850 ablesen, z.B. die kurzen Luchten oder die Upkammer im Flett. Man beachte auch die Vielzahl von Hinterladeröfen.


Der Hofgiebel


Die Straßenfront des in 2 Bauphasen (1845/50) errichteten Bauernhauses

Das Zentrum des Hauses ist immer dort, wo das Feuer, wo der Herd war. Immer öfter gibt es Befunde, nach denen das Herdfeuer in die mittlere Kammer verlegt wurde und eine „schwarze Küche” entstand. Hier haben wir so einen Befund, an dem wir die Geschichte des Heizens ablesen können. Unten das Feuerloch für einen Fünfplattenofen, der im Nebenzimmer stand, darüber mindestens drei Öffnungen aus unterschiedlichen Zeiten, die den Rauch in die Küche leiteten. Die große Öffnung links ist ein Fenster ins Nebenzimmer.

Zeichnungen: Heinz Riepshoff
Fotos: B. Kunze

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Diese Seite wurde zuletzt am 24.02.2008 22.23 Uhr aktualisiert!