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Bericht in der Kreiszeitung vom 23. Oktober 2007


Dieter Niederheide

Rettung für 315 Jahre alten Schafstall

IGB-Team baute historisches Gebäude vorsichtig ab

Was auf der alten Hofstelle in Bensen bei Sudwalde zunächst nur als alter Schweinestall erkennbar war, entpuppte sich beim Blick ins Innere als ein rund 315 Jahre alter Außenschafstall aus dem Jahre 1693. Für Heinz Riepshoff aus Verden, Landesbeauftragter Niedersachsen der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB), hat sich der zweite Blick, den er in das alte Gebäude warf, als ein Glücksfall erwiesen.

Nach der von ihm vorgenommenen, so genannten dendrochronologischen Untersuchung an den alten Balken startete er die Aktion zur Rettung des historischen Gebäudes.

Am Sonnabend begann in den frühen Morgenstunden ein Team der IGB mit dem vorsichtigen Abbau des Außenschafstalls. Acht Stunden harter Arbeit leisteten Heinz Riepshoff, die Brüder Bernd und Uwe Kunze (Martfeld), Jörg Hollmann (Syke), Torsten Wentow (Barrien), Wolfgang Spechter (ehrenamtlicher Denkmalpfleger aus dem Kreis Nienburg) und Gerd Göbbert (Landschaftsgärtner aus Verden). Dabei war auch ein großer Kran im Einsatz.

Riepshoff: "Der alte Schafstall soll auf dem Gelände des Kreismuseums in Syke wieder aufgebaut werden". Ohne Zweifel eine Bereicherung für das museale Ensemble an der B 6 in Syke. Die Denkmalpflege des Landkreises Diepholz gab ihr Einverständnis zu der Aktion.

Bereits vor einiger Zeit hatte Heinz Riepshoff eine Bauaufnahme vorgenommen und alle Teile, die zum Wiederaufbau notwendig sind, nummeriert. Klar, dass er die Erkenntnisse über den Stall in sein Bauernhaus-Archiv im Syker Vorwerk einbringt.

Die Hofstelle und den Stall kennt er schon seit langer Zeit. Mit deren Geschichte hat er sich beschäftigt und dabei unter anderem festgestellt, dass die Hofstelle Bensen Nummer 1 aus der Höfeliste bereits gestrichen ist. Das Haupthaus soll schon vor fast 30 Jahren zusammengebrochen sein. Nur eine neuere Scheune ist noch nutzbar. Ein altes Backhaus wurde vor Jahren schon abgebaut und von Klaus Voigt auf dem Biohofgelände in Gessel wieder aufgestellt.

Der Außenschafstall war in einer Zeit erbaut worden, so Riepshoff, als der Anteil der Schafe in der Region groß war und vom Hoyaer Landschwein noch niemand sprach. Im Frühjahr und Winter zogen die Schäfer mit den Tieren über Land, trieben sie abends in die Außenschafställe. Ihr Kot sei als Dünger verwendet worden, so Riepshoff. So erklärt sich, warum die Tiere abends in die Ställe kamen. Als mit Beginn des 19. Jahrhunderts die Verkoppelung (Landtausch) erfolgte, wurde der Außenschafstall von dem Besitzer abgebaut, bevor der sein Land mit einem anderen Bauern tauschte. Das war der Grund, warum der Stall von seinem ursprünglichen Standort im Gelände auf den Hof nach Bensen kam.

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Schafzucht der Schweinezucht wich und das Hoyer Landschwein seine Glanzzeit hatte, wurde der Außenschafstall zum Schweinestall umfunktioniert.

Inzwischen ist er in alle Einzelteile zerlegt und lagert in einem Zimmererbetrieb.

(C) Niederheide, [23.10.2007, Kreiszeitung]

Bildtexte und alle Fotos: (C) Bernd Kunze

Der zum Schweinestall umfunktionierte Schafstall war das letzte historische Gebäude auf der ehemaligen Hofstelle Bensen Nr. 1.

Mit fachkundigem Blick erkennt man im Inneren das Fachwerkgerüst des Schafstalles aus dem Jahr 1693

Inzwischen sind alle Um- und Anbauten entfernt worden und der "Schatz" präsentiert sich in voller Pracht.

An einem Kopfband findet sich noch die alte Versicherungsnr.: Ursprünglich "No. 1f" (das sechste Gebäude auf dem Hof), später wurde die Nr. geändert in "No. 1e" (Da waren es nur noch fünf Hofgebäude).

Alle Bauteile sind nummeriert (für den späteren Wiederaufbau), vermessen und ausreichend fotographisch dokumentiert. Der Abbau kann beginnen.

Eine Seltenheit: Originale Dachlatten, noch mit Holznägeln befestigt.

Der Eck-Knotenpunkt: Eine eingezapfte Knagge trägt die kräftige Plate des Giebels, auf der die breite Plate der Traufseite liegt.

Jeder Ständer sichert mit seinen beiden Kopfbändern den Längsverband vor Verschieben.

Das Abbau-Team, v.l.: Gerhard Spechter, Torsten Wentow, Heinz Riepshoff, Gerd Göbbert, Jörg Hollmann, Uwe Kunze und Bernd Kunze. Alle waren pünktlich um halb 8 auf dem Platz.

Die Sparrenpaare werden mit der Kettensäge voneinander getrennt.

Das erste Sparrenpaar hängt am Haken.

Die letzten beiden Sparrenpaare sind am haken in sich zusammengefallen. Die wichtigen Bauteile blieben aber unbeschädigt.

Teamarbeit war angesagt...

Und wieder schwebt ein Deckenbalken durch die Luft.

Der Giebelbalken ist natürlich gebogen - das ist nicht unüblich bei Scheunen und Ställen dieses Alters.

Der Kran hat uns inzwischen verlassen. Aber diese letzten "Kleinigkeiten" schaffen wir auch ohne ihn.

Der Museumsleiter, Dr. Vogeding hat uns eine kräftige Erbsensuppe zur Stärkung gebracht.

Da muß man aufpassen, dass nicht doch noch alles umfällt. Dann reißen die Zapfenlöcher aus und die Zapfen brechen ab.

Die letzten beiden Ständer . . .

Die "kleinen" Teile werden von Hand aufgeladen.

Durch systematisches Stapeln sind wir mit zwei Anhängern ausgekommen.

Nach acht Stunden Arbeit . . .

Bildtexte und alle Fotos: (C) Bernd Kunze

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