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Julius H.W. Kraft

* 3.1.1917 Bremen
+ 31.3.2008 Kirchseelte


Am 31. März 2008, ist unser Gründer, langjähriger Vorsitzender, Herausgeber des „Holznagels“ und Ehrenvorsitzender, Julius H.W. Kraft, nach längerer Krankheit verstorben.

Er wurde am 3. Januar 1917 in eine Bremer Handwerkerfamilie hineingeboren. Schon auf der Volksschule wurde sein graphisches Talent erkannt, doch zunächst erlernte er den Beruf eines ganz konventionellen Malers, der freilich deutlich mehr war als ein Anstreicher. Maserieren, Schriften, Vergolden gehörte dazu – alles das beherrschte er. Und war damit ein wahrhaft kompetenter Fachmann, wenn es um alte Anstrichtechniken ging, nicht zuletzt mit dem fast ausgestorbenen „Bremer Blau“.

Der 2. Weltkrieg, an den er sich äusserst ungern erinnerte, endete für ihn mit einer Vertreibung aus dem Isergebirge in Deutsch-Böhmen, das man im Dritten Reich Sudetenland nannte. Dort in der Heimat seiner frisch angetrauten Frau Gertrud (Trudi) hatte er sich um 1940 niedergelassen. Ein Kind starb auf der Flucht.

In der Nachkriegszeit hat es dann doch noch mit dem Künstlerberuf geklappt. Weithin gerühmt werden seine Plakate, die er in dieser Zeit für Ausstellungen der Bremer Kunsthalle angefertigt hat. Man höre und staune: Das Essener Folkwang-Museum nennt eine grössere Kollektion davon ihr eigen und hat sie schon mehrfach in Sonderausstellungen gezeigt.

Seine Tätigkeit als Gebrauchsgraphiker, die ihm und seiner Familie die Existenz sicherte, brachte wohl zumeist eher vergängliches wie Anzeigen und Prospekte auf den Markt. Als eine seiner längerlebigen Kreationen, die es zu einiger Bekanntheit gebracht hat, ist mir das Gewürzglas (mit Etikett!) der Firma Ubena in Erinnerung, mit dieser Firma verband ihn wohl eine lange Partnerschaft. Uns hinterlässt er u.a. das einmalige Signet der IGB:

Wir, die Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. (IGB) verdanken ihm unendlich viel. Das hatte eine längere Vorgeschichte. Unter wirtschaftlich schwierigsten Bedingungen hatte er mit seiner Frau (Trudi) 1959 ein altes Kleinbauernhaus in Kirchseelte erworben und in jahrelanger Kleinarbeit zu seinem geliebten Zuhause, dem "Huus Veertein", umgebaut. Die stetig wachsende Liebe zu den alten Häusern und seine jahrelanges Ringen mit den vielen Schwierigkeiten, die ihrer Erhaltung immer wieder im Weg standen, liessen ihn 1973 mit etwa 75 Gleichgesinnten im Dreimädelhaus in Kirchseelte unseren Verein gründen, damals noch Interessengemeinschaft Bauernhaus Kreis Grafschaft Hoya e.V. genannt. Er stand ihr von der Gründung bis 1987 nicht weniger als 14 Jahre als Vorsitzender vor und leistete die grundlegende Arbeit, die die Strukturen formte, die bis heute die IGB prägen.

Seit seinem Rücktritt als Vorsitzender machte ihm zunehmend seine Parkinson-Erkrankung zu schaffen. Das früher fast unvermeidliche Zittern und einiges andere konnte die ärztliche Kunst zurückdrängen – mit dem künstlerischen Schaffen war es allerdings vorbei. Das hat diesen kreativen Mann, wie er immer wieder deutlich zum Ausdruck brachte, sehr geschmerzt. Später kam noch ein zunehmender Sehverlust dazu, der ihm in den letzten Jahren auch das Lesen völlig unmöglich machte. Dennoch hat er noch bis in die 90er Jahre den „Holznagel“, sein ureigenstes Geschöpf, fast allein bearbeitet und auch nach dem Stabwechsel an Bernd Kunze noch lange aktiv an ihm mitgewirkt. Es war eigentlich ein Teil von ihm.

Fast gleichzeitig mit der IGB hatte er übrigens die Allianz Deutscher Designer (AGD) mitgegründet, die mittlerweile die grösste Designervereinigung in Deutschland ist und deren Ehrenmitglied er ebenfalls war.

Möge eine verständige Nachwelt sein bedeutendes Erbe sorgfältig bewahren und respektvoll fortschreiben! Uns ist es eine grosse Verpflichtung.

Im Namen der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Dr. Dietrich Maschmeyer
Bundesvorsitzender




Nachruf in der Kreiszeitung vom 5. April 2008

Dieter Niederheide

Ein Mann, der Visionen umsetzte

Julius Kraft im Alter von 91 Jahren gestorben


Julius Habbo Wilhelm Kraft, Gründer der Interessengemeinschaft Bauernhaus und Träger des Deutschen Preises für Denkmalschutz, ist am 31. März im Alter von 91 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Mit ihm ging ein hoch geschätzter, liebenswerter und gradliniger Mensch, der seine Schaffenskraft über Jahrzehnte voll und ganz seinem Werk, der IG Bauernhaus, gewidmet hat.

Kraft legte den Grundstein zur heute größten bundesweiten Bürgerinitiative im Dezember 1973 in Kirchseelte in seinem Wohnsitz "Huus Veertein". Mit den Familien seiner beiden Söhne trauern die Menschen über die Region hinaus um Julius Kraft, der viele Jahre Vorsitzender und bis zu seinem Tode Ehrenvorsitzender der IG Bauernhaus war.

Bis ins hohe Alter war sein Rat gefragt, nicht nur, wenn es um die Erhaltung der von ihm geliebten alten Häuser ging. Ihm ist es zu verdanken, dass in deutschen Landen erhaltenswerte Bausubstanz nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde. Noch an seinem 90. Geburtstag, am 3. Januar vergangenen Jahres, riet er jenen, die seinen Spuren folgen: "Sie sollten sich an Traditionen halten". Seine Lebensweisheit verriet er in dem Satz: "Man muss da steuern, wo man das Gefühl hat, hier läuft etwas falsch". Das hat Julius Kraft Zeit seines Lebens getan.

Als Vorbild hat er Menschen über die Grenzen Deutschlands hinaus für seine Idee begeistert und mancher Baubehörde mit seinem Engagement die Grenzen aufgezeigt. Als Grafik-Designer war er zudem Mitbegründer des Berufsverbandes der Allianz Deutscher Designer.

Julius Kraft, ein Mann der seine Vision in die Tat umsetzte, ist nicht mehr. Mutige und engagierte Männer wie er fehlen der heutigen Gesellschaft mehr denn je.

(C) Niederheide, [5.4.2008, Kreiszeitung]

Julius H.W. Kraft



Julius Kraft im April 2001

Julius Kraft in seinem Arbeitszimmer, im Januar 2002. Von hier aus lenkte er viele Jahre die Interessengemeinschaft Bauernhaus und hier "strickte" er mehr als zwei Jahrzehnte die Mitgliederzeitschrift der IGB
"Der Holznagel".

Das Haus der Familie Kraft "Hus Veertein" in Kirchseelte. Hier begann 1973 die Geschichte der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Julius Kraft war einer der esten, der schon 1959 erkannte, daß unsere landschaftsprägenden Bauernhäuser zum sterben verurteilt sind, wenn man sie nicht zum Wohnhaus umnutzt. Er hat bewiesen, daß es funktioniert. Das Foto zeigt die neu genutzte Diele.


Fotos: B. Kunze

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