Wilfried Meyer
Bericht zur Tagung 2008
"Regionalgschichte im Kreismuseum Syke",
in Zusammenarbeit mit dem Bauernhausarchiv und dem Kreisheimatbund
Die 4. Tagung der Regionalgeschichte im Kreismuseum Syke fand am 25. Oktober 2008 statt. Um es vorweg zu nehmen: Auch in diesem Jahr fand das Thema großes Interesse und die Museumsdiele war gut gefüllt.
Zur Einstimmung gab Hausherr Dr. Ralf Vogeding einen Überblick der Thematik. Feuer war zwar immer ein Freund des Menschen, gab ihnen Wärme, Licht und warme Nahrung. Es war aber immer dann, wenn es außer Kontrolle geriet, eine Katastrophe. Ein kleines Schadensfeuer, das feste Bestandteile eines Hauses erfasste, verursachte oftmals die Vernichtung eines ganzen Dorfes, ja sogar Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht. Der Mensch stand dieser Feuersbrunst meistens hilflos gegenüber. Technische Löscheinrichtungen waren nahezu ungeeignet. Aber auch die Not der obdachlosen Menschen nach dem Feuer war unbeschreiblich.
Schon immer bemühten sich Ämter, durch Vorschriften aller Art diese Folgen zu verhindern oder einzudämmen. Wie ein roter Faden zog sich durch alle folgenden Vorträge eine Erkenntnis: Die Menschen waren bei Großfeuern machtlos. Häufig gelang es ihnen, nur wenig ihrer Habe zu bergen, meistens nur Leben und Gesundheit zu retten.
Harpstedts Archivar Dr. Jürgen Ellwanger schilderte anhand überlieferter Chroniken seiner Vorgänger eindrucksvoll, wie der Großbrand am 1. Juli 1739 fast den ganzen Flecken vernichtete. Historische Karten verdeutlichten eine der typischen Ursachen für die Ausbreitung eines Feuers: dichte Bebauung. Häuser dieser Zeit bestanden durchweg aus Fachwerk, Lehm, Heidplacken und Strohdach, so auch in Harpstedt. Selbst nach dem Großbrand im Jahre 1626, wo schon einmal 80 Häuser vernichtet wurden, bauten die Bewohner ihre Häuser an den selben Plätzen wieder auf. 1739 brach das Feuer in einer Schmiede zwar am östlichsten Rand des Fleckens aus, doch der Südwestwind trug die Flammen von Haus zu Haus. Zuletzt waren 90 % aller Gebäude zerstört. Selbst die Kirche wurde ein Raub der Flammen. Tragisch, da viele Bewohner sie für sicher hielten und ihr Hab und Gut dort deponiert hatten.
Innerhalb von zwei Jahren baute man Harpstedt nach den Plänen eines Militärs wieder auf. Jetzt zwar mit Sicherheitsabständen, aber größtenteils ohne Zustimmung der Bevölkerung.
Ähnlich erging es am 19. November 1822 Sudwalde, einem Kirchdorf mit zahlreichen großen Höfen. Auch dort trug ein ungünstiger Wind das Feuer immer weiter, bis zuletzt 36 Gebäude vernichtet waren. Allerdings verschonte es die im Mittelpunkt des Ortes stehende Kirche. Heinrich Meyer aus Bensen hatte die Dokumentation der Ereignisse schon in Druckform zu seinem Vortrag mitgebracht.
Er arbeitet seit einiger Zeit an der Chronik seiner Samtgemeinde. Auszüge aus den Schadensprotokollen untermalten die Geschehnisse, da dort die Bedürftigkeit der obdachlos gewordenen Einwohner in aller Offenheit beschrieben wurden. Zwar bestand seit 1753 eine Feuerversicherung, aber auch noch um 1822 erhielten die durch das Feuer mittellos gewordenen Menschen keinen Ersatz für das Inventar.
Genau um dieses Thema „Schadensregulierung durch Versicherungen“ drehte sich das Referat von Thorsten Neubert-Preine. Was heute selbstverständlich ist, nach einem Brandschaden Gebäude und Inventar ersetzt zu bekommen, war in der Zeit dieser geschilderten Großfeuer noch längst nicht.
In einer vom Referenten 2006 verfassten Festschrift anlässlich des 250-jährigen Gründungsjubiläums der Brandkassen für die Grafschaften Hoya und Diepholz hat er den langen Weg der Feuerversichungen geschildert.
Nach mehreren Großbränden in der Hansestadt Hamburg gründete sich im November 1676 die erste Feuerversicherung. Sie war Grundlage für die spätere Entwicklung. Doch es dauerte noch bis 1755, bis endlich eine Feuerversichung auch für unseren Raum gegründet werden konnte.
Der erste größere Brand, den die Versicherung betraf, war der vom 2. April 1808 in Syke. Damals fielen 83 Gebäude in Schutt und Asche. Diese Brandkatastrophe ist lückenlos dokumentiert.
Nachdem um 1871 die Konkurrenz der privaten Versicherungen zunahm, vereinigten sich die Landschaftlichen Brandkassen im Jahre 1873. Für Heimatforscher: Ein Nebenprodukt der Brandkassenversicherung sind die ausführlichen Bestandsaufnahmen und Gebäudegrund-risse von Höfen, Betrieben und Wohnhäusern.
Darüber wird sich auch der nächste Referent besonders freuen: Heinz Riepshoff, Hausforscher der IGB und Leiter des Bauernhausarchivs. Erst wusste er gar nicht recht, wie er sich mit seinem Spezialgebiet in die Thematik einbringen solle. Doch bei genauerem Auswerten seiner Dokumentationen kam er schnell auf eines seiner Steckenpferde: Backöfen. Sie spielten bei den Brandursachen und auch bei den zunehmenden Feuerschutzbestimmungen eine zentrale Rolle. Mit alten Bildern konnte er belegen, dass ursprünglich die Backöfen in den Häusern eingebaut waren, häufig in Nähe der Herdstellen. Alte separate Backhäuser konnte er kaum nachweisen, Speicher dagegen immer wieder. Erst als ab 1700 der Schüttboden (Lagerung von Getreide über den Wohnräumen) in den Häusern üblich wurde, entstanden kaum neuere Speicher.
Die Vorschrift, Backöfen nur noch abgesetzt von dem Haupthaus aufzustellen. Und die jetzt häufig ungenutzten Speicher boten sich geradezu an, dort die Backöfen ein- oder anzubauen. So konnte er zahlreiche Speicher mit Backöfen dokumentieren. Vorschriften sind naturgemäß oft nur Theorie: Die geforderten Abstände zu den Häusern stimmten meistens nicht. Backhäuser sollten aus Feuerschutzgründen mit Ziegeln gemauert und hart gedeckt sein. Doch häufig entdeckte Heinz Riepshoff Fachwerk und sogar Strohdach in unmittelbarer Nähe der Öfen...
Den Abschluss der Vortragsreihe bestritt Gunter Ehrhard mit der Thematik „Brandbekämpfung in Städten“. Gleich zu Beginn konnte er nur allen Vorrednern zustimmen: „Auch in der Stadt waren die Bewohner bei Großbränden genau so hilflos“. Feuerspritzen tauchten allein von der Technik nicht, höhere Dächer zu erreichen. Die Wasserzufuhr war ebenso problematisch und die enge Bebauung verhinderte gerade hier die Eindämmung der Brandherde.
Anhand eines Großfeuers in Göttingen und des Brandes vom Bremer Dom schilderte er die technischen Probleme des Löschwesens. Aus Originaldokumenten las er in fließendem mittelniederdeutsch die zeitgenössischen Beschreibungen dieser Ereignisse vor. Historische Abbildungen erster Feuerspritzen und Blitzableitern rundeten seinen Vortrag ab.
Die Referenten auf der Diele des Kreismuseums Syke:
Thorsten Neubert-Preine, Dr. Jürgen Ellwanger, Dr. Ralf Vogeding, Heinz Riepshoff, Gunter Ehrhard und Heinrich Meyer
Foto: Wilfried Meyer
Feuerwehr Nürnberg mit einer Feuerspritze, Kupferstich aus dem Jahre 1661, Nürnberg
Abb.: wikipedia