Ich bin hier: Start » Artikel und Berichte » » Tagungsbericht: Vom Nutzen des Wassers

Wilfried Meyer

Bericht zur Tagung 2009
"Regionalgschichte im Kreismuseum Syke",
in Zusammenarbeit mit dem Bauernhausarchiv und dem Kreisheimatbund

„Aus sprudelnder Quelle –
Vom Nutzen des Wassers für Mensch und Tier“

„Nach Feuer kommt Wasser“, so Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding bei seiner Einführung der 5. Regionaltagung im Kreismuseum Syke. Damit bezog er sich auf das Thema des vergangenen Jahres, als es um die Geschichte des Feuerlöschwesens und der Brandkassen ging. Auch bei dem jetzigen Thema „Wasser“ fanden sich über 50 Teilnehmer, die den acht Referaten lauschen wollten und an den Diskussionen teilnahmen.

Dr. Dr. Wolfgang Dörfler machten den Auftakt mit seinem Thema „Wasserversorgung auf dem Lande früher“. Bei der Restaurierung eines aus dem 16. Jhdt. stammenden Bauernhauses stieß er auf eine alte kupferne Handpumpe Danach fand er auch den ursprünglichen Hofbrunnen. Sie motivierten ihn, sich intensiver mit der früheren Wasserversorgung zu befassen. Mit visueller Unterstützung erläuterte er die Bauweise von ersten Brunnen, der Technik von Sodwippen und ersten Viehselbsttränken.

Manfred Cattau, Techniker der „Syker Vorgeest“, dem Wasserversorger unserer Region, schloss mit seinen Ausführungen nahtlos an. Wie war das mit der großflächigen Versorgung der Siedlungen? Welche Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, um den Haus- und Hofeigentümern Wasseranschlüsse anbieten zu können? Meistens waren es die mangelnde Wasserqualität, lange Transportwege und fehlende Feuerlöschmöglichkeiten, die für die zentrale Versorgung sprachen. 1961 gründete sich die „Syker Vorgeest“ im Norden der Grafschaft Hoya. 2009 verfügt der Verband über 31.339 Hausanschüsse mit 1.181 km Wasserleitungen. 1984 verbrauchten diese Kunden jährlich 4 Millionen cbm, heute rund 5 Millionen cbm Trinkwasser.

Der Archäologe Dr. Dieter Bischop entführte die Teilnehmer in die Hansestadt Bremen, allerdings begann seine Zeitreise schon um 800. Bei seinen zahlreichen Grabungen im heutigen Bremer Stadtgebiet waren seine Mitarbeiter und er immer wieder auf uralte Brunnenanlagen gestoßen. Vorallem die 2005 erfolgte Grabung auf dem heutigen Radio Bremen-Gelände hatte gut erhaltene Anlagen zu Tage gefördert. Er konnte u.a. Faßbrunnen dokumentieren, bei denen ein mächtiges Holzfaß als Einfassung umgenutzt wurde. Dann wieder mit Ziegelsteinen gemauerte und schließlich hochwertige Brunnen aus Sandstein. Manchmal mehrere Arten nebenein-ander, was darauf schließen lässt, dass an dieser Stelle gutes Wasser vorhanden sein musste. Anhand der Bodenverfärbungen ließ sich auch das Bauverfahren erkennen. Absenkverfahren und Grabungen, teilweise beides, waren schon damals üblich. Außerdem präsentierte er aus anderen Grabungen gut erhaltene Baumstammbrunnen von 1200. Anhand einer historischen Stadtansicht von 1588 wies er auf die sogenannte „Wasserkunst“ hin. Das war eine Schöpfanlage an der Weserbrücke, die das Wasser in die Stadt förderte.

Hausforscher Heinz Riepshoff blieb mit seinen Themen gleich an der Weser. Er schilderte diese Wasserstraße u.a. als Handelsweg für Schiffe und Flöße. Wobei ihn besonders die Ladung der Boote von früher begeisterte: Sie bestand häufig aus dem sogenannten „Bremer Stein“, Sandstein aus Oberkirchen, der als Baumaterial für Brücken, Brunnen, Gossensteine, Konsolen und Grabsteine diente. Warum aber „Bremer Stein“? Ganz einfach: Die Bremer hatten das sogenannte Stapelrecht, dass sie zum zentralen Umschlag- und Handelsplatz der Sandsteine in Norddeutschland machte. Durch Funde von Schiffswracks hatte man genaue Erkenntnisse über die Ladung gewonnen. So weiß man, dass die meisten der Sandsteine schon fertig bearbeitet, mit Steinmetzzeichen versehen, ihre Reise von Rinteln aus in Richtung Bremen antraten. Es wäre nicht Heinz Riepshoff, wenn er nicht den Bogen zu seinem Spezialgebiet bekommen hätte - dem Bauholz. Viele Jahrhunderte transportierte man die Baumstämme auf der Weser durch die Flößerei. Wie man in alten Fachwerkhäusern dieses Floßholz erkennen kann, erläuterte er auch gleich anhand einiger Fotos. Da die Stämme vor dem Wassertransport durch Querhölzer und Seile gesichert werden mussten, bohrte man sie an. Auf der Weser mit zwei Bohrungen dicht nebeneinander, sodass man heute noch erkennen kann, dass die Stämme auf diesem Fluss den Weg in unsere Region genommen hatten. Auf den Flößen transportierte man häufig eine „Uplast“, also andere Güter. Damit konnte der Transport noch wirtschaftlicher gestaltet werden.

Unter dem verheißungsvollen Titel „Wasser: Heiligtum, Hure, Handelsware?“ referierte Dirk Lütvogt aus Sicht eines regionalen Minerabrunnenerstellers, der Auburg Quelle in Wagenfeld. Sein sehr abwechslungsreicher Vortrag begann mit der Firmengeschichte der Auburg Quelle, die als eine der wenigen Familienunternehmen dieser Branche 120 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Darstellung der chemischen Eigenschaften des Wassers kam er zum wundersamen, mystischen dieses Urelementes. Der Höhepunkt seiner Ausführungen zog die Zuhörer optisch und akustisch in seinen Bann: Die Töne der Klangschale (Erläuterungen siehe oben), untermalt mit reizvollen Bildern und historischen Sprüchen zum Thema Wasser.

Sabine Hacke vom Dümmermuseum beleuchtete eine anderes Gebiet rund ums Wasser, besser gesagt, rund um den Dümmersee. Wie entstand dieser zweitgrößte Binnensee Niedersachens, wie veränderte er sich und die Landschaft, und vor allem wie entwickelte sich der Tourismus in dieser Region? Nach der ursprünglich wirtschaftlichen Nutzung wie Fischfang, Reet- und Binsenschneiden, folgten um 1850 erste Bootsfahrten zum Vergnügen. Ab 1923 wurden erste Wochenendhäuser gebaut und es dauerte lange, bis sich alle Nutzergruppen (Landwirtschaft, Naturschutz und Erholungssuchende) arrangierten.

Ulrich Dunker widmete sich dem Thema „Von der Melioration bis hin zur Touristik“. Er befasste sich mit dem größten wasserbaulichen Projekt Nordeuropas, dass zwischen Hoya und der heutigen Gemeinde Weyhe für landschaftliche aber auch wirtschaftliche Veränderungen sorgte. Als die meist witterungsabhängigen Überschwemmungen der Weserhochwasser durch Deicherhöhungen und Sperrwerke unterblieben, baute man den sogenannten Meliorations-Hauptkanal. Er be- und entwässerte durch Staus und Sperrwerke nun kontrolliert die große Weserurstromfläche. Das Wasser sorgte anfangs für natürliche Düngung der Weideflächen. Später entwässerte er die Gebiete soweit, dass feuchte Wiesen zu Ackerflächen umgewandelt werden konnten. Inzwischen hat der Kanal keine Bedeutung mehr, große Teile sind bereits verfüllt. Besonders zu erwähnen ist aber, dass Herr Dunker die verbliebenen Staubauwerke dokumentierte und sie unter Baudenkmalschutz stellen ließ.

Der letzte Vortrag dieses abwechslungsreichen Tages befasste sich mit erfolgten Bachregulierungen und den Versuchen, diese Eingriffe rückgängig zu machen. Wilfried Meyer dokumentierte anhand zahlreicher Bilder die einst natürliche Hache und deren Kanalisierung um 1959 mit dem Einbau von Staustufen. Mittlerweile sind sie wieder beseitigt worden, die Hache ist inzwischen biologisch durchgängig. Bilder von der Entschlammung des Kirchweyher Sees beschlossen den „Wasser“-Thementag.

Einige der Referenten der Tagung mit einem alten Wasserrohr. (von links) Dirk Lütvogt, Wilfried Meyer, Dr. Dr. Wolfgang Dörfler, Heinz Riepshoff, Ulrich Dunker und Manfred Cattau. Foto: Wilfried Meyer

Ein Brunnenschacht aus Feldsteinen in Ostereistedt Lkr. Rotenburg. Foto: Bernd Kunze

Über diese kupferne Handpumpe und ihre funktionsfähige Wiederherstellung referierte Dr. Dr. Wolfgang Dörfler. Foto: Bernd Kunze

Der Archäologe Dr. Dieter Bischop referierte über Bremer Grabungsbefunde zum Thema Wasser. Foto: Wilfried Meyer

Dirk Lütvogt (links) erklärt Anni Wöhler-Pajenkamp und Dr. Ralf Vogeding die Funktion der sog. „chinesischen Wasserklang- bzw. Wasserspringschale“. Sie diente im alten China den rituellen Händewaschungen der Priester vor dem Gebet. Man vermutet, dass die Priester mit denen zu jener Zeit für das gemeine Volk nicht nachvollziehbaren physikalischen Phänomenen ihre „Schäfchen“ von ihrer herausgehobenen Stellung und Wunderkraft überzeugen wollten. Diese Wasserklangschale (50 kg Glockenbronze mit Messinggriffen) wird heute von dem Pforzheimer Silberschmied Christof Grosse nach alten Fotografien seines Vaters (einem Chinareisenden) gefertigt. Sie werden in einer renommierten deutschen Glockengießerei gegossen. Beim Reiben der Messinggriffe fängt das schwere Gefäß an zu vibrieren, die Schwingungen übertragen sich auf das Wasser und bilden faszinierende geometrische Strukturen. Je nach Art der Reibung und der dadurch entstehenden Schwingungsfrequenz und somit Tonhöhe bilden sich Muster mit 4, 6, 8 oder 12 Segmenten aus, in deren Mitte mit stärkerer Reibung dann kleine Wasserfontänen aufsteigen. Neben den deutlich hörbaren Tönen entstehen zahlreiche Obertöne. Die Wasserklangschale kommt heute in vielen modernen „Mitmachmuseen“ zum Einsatz und wird ebenso von Musikgruppen eingesetzt. Foto: Wilfried Meyer

© 2011 by bauernhaus-archiv.de | Start | Impressum | Kontakt
Diese Seite wurde zuletzt am 13.12.2009 13.42 Uhr aktualisiert!